Spanische Weihnachtsbräuche
Weihnachten ist vielleicht das traditionellste und bekannteste Fest auf der ganzen Welt und in Spanien dauert es bis zum 6. Januar.
Da ich seit klein auf Weihnachten und Silvester in Spanien verbracht habe, möchte ich Euch nachfolgend über ein paar Bräuche und Traditionen berichten, die mir in Erinnerung geblieben sind bzw. die ich mit meiner Familie und meinen Freunden bis heute auch in Lustenau weiter praktiziere.
Dabei möchte ich gerne mit Nationallotterie „El Gordo de Navidad“ starten.
Nicht gerade der gefühlvollste Start für einen Weihnachtsbericht, denkt ihr jetzt vielleicht, denn was hat eine Lotterie mit Weihnachten zu tun? Aber wenn ihr die Aufregung von meinem Papa sehen könntet und das Leuchten in seinen Augen, wenn er die Ziehung im spanischen TV verfolgt hat und das noch immer tut, dann gleicht das einem Kleinkind, wenn der Christbaum erleuchtet wird.
Was versteckt sich also hinter dem Begriff El Gordo de Navidad?
In Spanien beginnt die Weihnachtszeit auf ganz besondere Weise – und das fast schon traditionell am 22. Dezember. An diesem Tag hält das ganze Land den Atem an, wenn die Ziehung der berühmten Weihnachtslotterie stattfindet. Der Hauptgewinn, liebevoll „El Gordo“ (der Dicke) genannt, bringt Hoffnung und Träume in unzählige Haushalte. Millionen verfolgen gebannt das Spektakel, das nicht nur wegen der hohen Gewinnsummen so beliebt ist, sondern auch durch seinen einzigartigen Charme besticht: Kinder singen die Gewinnzahlen mit einem einprägsamen, fast magischen Rhythmus. Die Freude ist oft grenzenlos, denn die Gewinne sind weit gestreut – und wer das Glück auf seiner Seite hat, feiert gemeinsam mit anderen voller Begeisterung und Lebensfreude auf den Straßen.
Weiters erinnere ich mich gerne an den Weihnachtsschmaus bei und mit unseren spanischen Freunden, der bereits am Nachmittag in einer der unzähligen Tapas Bars startete, denn in Spanien gehört es zur Tradition, vor den festlichen Weihnachtsmahlzeiten zunächst kleine Köstlichkeiten zu genießen – feine Appetizer, die den Gaumen einstimmen und die Vorfreude auf das große Essen wecken.
Noch nie habe ich unsere Lieblingsbar so voll gesehen wie am 24. Dezember. Zig Kinder mit ihren Vätern (die Mütter bereiten in dieser Zeit das Festmahl vor) , Jugendliche bis hin zu den Rentnern schlemmen Tapas und Pinxtos in allen Variationen und dazu darf natürlich auch ein Glas Wein oder auch zwei😊 nicht fehlen. Für die Kinder gibt es unterschiedliche Ponches (das ist ein Punch ohne Alkohol).
Anschließend erwartete uns jedes Mal zu Hause eine schier unendliche Weihnachtstafel, die als Kind zu meinem Ärger immer mit einer Suppe startete. Meist wurde uns eine kräftige Knoblauchsuppe serviert, manchmal - und das waren eher meine Favoriten – auch eine Mandel- oder Forellensuppe.
Das Herzstück des Abends - wie ihr Euch denken könnt – war jeweils ein Braten, der je nach Jahr zwischen Milchlamm und Spanferkel variierte, der stundenlang im Holzkohleofen garte, um das volle Aroma zu entfalten oder ebenfalls im Ofen gebackene Fischgerichte wie Brasse oder Wolfsbarsch.
Mein persönliches Highlight war immer das Dessert, denn dafür füllte sich der ganze Tisch voller Süßigkeiten aller Art wie Turrón (ähnlich zu Nougat) , Polvorones (ein Mürbgebäck in allen unterschiedlichen Geschmacksvarianten ), Mantecados (Weihnachtskekse aus Schmalz, Mandeln, Zimt etc.) und natürlich Marzipan jeglicher Art (diesen Kelch habe ich gerne an mir vorüber ziehen lassen 😊) uvm.
Das Highlight an Silvester ist immer, wenn kurz vor Mitternacht der Fernseher eingeschaltet wird und wir alle gemeinsam gebannt auf die letzten 12 Glockenschläge im alten Jahr warten, die vom Moderator für das ganze Land herunter gezählt werden. Denn wenn das neue Jahr fantastisch werden soll, dann gilt im spanischen Volksmund, dass man im Takt der Glockenschläge 12 Glückstrauben verzehren soll und sich dabei jedes Mal etwas wünscht fürs neue Jahr.
Ihr denkt jetzt – das ist doch kein Ding? Dann probiert es bitte aus – und Achtung die Damen… unbedingt ein Lätzchen umbinden😊um das Silvester-Outfit nicht zu verkleckern.
Im Anschluss heißt es dann mit einem Glas Cava: „Arriba, abajo, al centro y adentro“ (Nach oben, nach unten, in die Mitte und hinein) und Feliz Año Nuevo!!
Ein weiteres schönes Ritual vor allem für Kinder ist die Nacht vom 5. auf den 6. Januar.
In dieser Nacht erfüllt ein Hauch von Magie ganz Spanien – denn dann kommen die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland mit dem Schiff übers Meer, um den Kindern ihre sehnlichst erwarteten Geschenke zu bringen. Schon lange davor beginnt für die Kleinen ein besonderes Ritual: Sie schreiben Briefe an die Weisen, in denen sie berichten, wie brav sie im vergangenen Jahr waren – und natürlich auch, welche Wünsche sie hegen. Überall in Einkaufszentren und Freizeitanlagen stehen bunt geschmückte Briefkästen bereit, oft begleitet von königlichen Pagen, die die Botschaften persönlich entgegennehmen. Auch wir sind natürlich vorbereitet und mit vielen Briefen und Wünschen bestückt von Lustenau nach Denia gereist 😊
Nach Ankunft in Denia war die erste Station somit immer der Supermarkt, damit unsere Briefe auf jeden Fall noch übermittelt werden konnten😊. Bis heute blieb und bleibt auch eine spezielle Emotion, wenn das Original von „Feliz Navidad“ ertönt, denn dieses wurde damals in Endlosschleife in den Supermärkten gespielt und gehört zu spanischen Weihnachten einfach dazu.
Als Abschluss der Festtage genießt man dann noch im Kreise der Familie den Roscón de Reyes (den traditionellen spanischen Dreikönigskuchen, der aus Hefeteig gebacken und mit kandierten Früchten und Zucker verziert wird). Im Kuchen ist zur allgemeinen Erheiterung als Überraschung eine kleine Figur versteckt, die dem, der sie in seinem Stück findet, Glück bringt.
Eine glückliche und genussvolle Adventszeit wünsche ich nun Euch allen – möge sie voll schöner Bräuche und Besinnlichkeit sein.
Eure Beate Espinoza-Mayr
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